Bemerkenswertes

Im bis­her bekann­ten Schrift­ver­kehr zu den Bahn­hofs-Abriss­plä­nen gibt es bemer­kens­wer­te Details. Sie sind es wert, her­aus­ge­ho­ben zu wer­den.

September 2018:
Informationen von Reiner Behrends

Der Juis­ter Rei­ner Beh­rends schrieb Anfang Sep­tem­ber 2018 eine Stel­lung­nah­me, in der er klar Stel­lung zum geplan­ten Abriss des Bahn­hofs bezog. „Infor­ma­tio­nen zum Nach­den­ken und zur Mei­nungs­bil­dung für Insu­la­ner, Juis­ter und Gäs­te“ übeschrieb er sei­ne Gedan­ken.

Sie ent­hiel­ten inter­es­san­te Aspek­te, wie sich die Situa­ti­on zwi­schen der Insel und der Ree­de­rei Fri­sia — die Eigen­tü­me­rin des Bahn­hofs ist — im Lau­fe der Zeit ent­wi­ckelt hat. Sehr lesens­wert — und zu Recht haben Rei­ner Beh­rends Zei­len auf Face­book viel Zustim­mung bekom­men.

Eine Reak­ti­on von offi­zi­el­ler Sei­te? Fehl­an­zei­ge! Dass die Gemein­de „mau­ern“ wür­de, war bereits im August 2018 klar, als der Mar­ke­ting­chef Tho­mas Vod­de auf die Gäs­te­fra­ge nach dem Bahn­hofs­the­ma nicht nur über­rascht-ver­un­si­chert erschien, son­dern in guter Poli­ti­ker­ma­nier drucks­te, man wer­de „recht­zei­tig infor­mie­ren“.

 

19. Mai 2019:
Reiner Behrends wendet sich an die Gemeinde

Mehr als acht Mona­te nach sei­nem ers­ten Infor­ma­ti­ons­schrei­ben mel­de­te sich Rei­ner Beh­rends erneut öffent­lich — dies­mal gab es aber deut­lich bezeich­ne­te Adres­sa­ten: den Bür­ger­meis­ter und den Rat er Gemein­de. Leich­ter Unwil­le ist bei Rei­ner Beh­rends zu erken­nen, dass es nach sei­nem ers­ten Schrei­ben kei­ne Reak­ti­on aus der Gemein­de gab.

Der Ver­fas­ser legt Inter­es­san­tes in einem geschicht­li­chen Rück­blick dar: Vor zir­ka 30 Jah­ren hät­te die dama­li­ge nie­der­säch­si­sche Wirt­schafts­mi­nis­te­rin, Bir­git Breul, den Vor­schlag gemacht, Anle­ger und Insel­bahn wei­ter zu betrei­ben und durch das Land finan­zi­ell zu unter­stüt­zen. Die­ser, von Rei­ner Beh­rends als „revo­lu­tio­när“ ein­ge­stuf­te Vor­schlag war sei­ner Ansicht nach damals „nicht dis­kus­si­ons­wür­dig“, womit er offen­bar die Ent­schei­der auf Sei­ten der Fri­sia und der Gemein­de meint, die über den Vor­schlag nicht dis­ku­tie­ren woll­ten.

Beh­rends schlägt einen argu­men­ta­ti­ven Bogen von der dama­li­gen Situa­ti­on hin zu den heu­ti­gen Plä­nen der Ree­de­rei: Die Fri­sia will die Insel Juist mit der Ver­mie­tung von eBikes beglü­cken — und schreckt offen­bar nicht davor zurück, den orts­an­säs­si­gen Fahr­rad­ver­mie­tern das Geschäft abzu­gra­ben.

Ob die­ses neue Geschäfts­feld der Fri­sia ein wei­te­rer Grund ist, den Bahn­hof abzu­reis­sen? Schliess­lich braucht man für die 200 bis 300 geplan­ten Fahr­rä­der eini­ges an Infra­struk­tur — und somit Platz.

22. Mai 2019:
Der Juister Bürgermeister Tjark Goerges „nimmt Stellung“

Es sind bemer­kens­wer­te drei Sei­ten, die Bür­ger­meis­ter Goer­ges zu Papier gebracht hat. Die ers­te Sei­te bie­tet nicht mehr als plat­te All­ge­mein­plät­ze. Wenn man end­lich mal wis­sen woll­te, dass „nichts ist so sicher ist wie der Wan­del“, dann soll­te man Goer­ges Schrei­ben unbe­dingt lesen. Ob vie­le Juis­ter sich nach der Lek­tü­re die­ser Zei­len ihres Insel­bos­ses fremd­schä­men?

Auf­grund der gerin­gen Sub­stanz in Goer­ges’ Aus­sa­gen ver­wun­dert es nicht, dass er auch kei­ne kon­kre­ten Details zum Bahn­hof ver­öf­fent­licht — aus­ser der, dass „nur ein Neu­bau Sinn macht“. Es hät­te aller­dings „Sinn gemacht“, end­lich ein­mal mehr Inhal­te zu ver­mit­teln, als die immer wie­der gern benutz­te Nebel­ker­ze „maro­de“ zu zün­den. Zu mehr reicht es näm­lich nicht beim Bür­ger­meis­ter.

Was genau das Pro­blem des angeb­lich „maro­den“ Bahn­hofs sein soll, wel­che Ver­säum­nis­se beim Erhalt des his­to­ri­schen Gebäu­des die Eigen­tü­me­rin ver­schul­det hat, dar­über ist erwar­tungs­ge­mäss nichts zu lesen. Anders for­mu­liert: Goer­ges unter­mau­ert den Ver­dacht, dass mög­li­che Schä­den am Bahn­hof — so sie denn über­haupt exis­tie­ren — mut­wil­lig durch man­geln­de Instand­hal­tung her­bei­ge­führt wur­den.

Der Abriss des his­to­ri­schen Bahn­hofs ist also offen­bar beschlos­se­ne Sache. Mit den Befür­wor­tern des Bahn­hofs­er­halts und ihren Argu­men­ten — und davon gibt es vie­le — hat sich der Gemein­de­chef nicht aus­ein­an­der­ge­setzt. Laut Goer­ges geht es jetzt nur noch um För­der­mit­tel für den Neu­bau. Der Erhalt des alten Bahn­hofs inter­es­siert ihn nicht.

Zuhö­ren und Ant­wor­ten kann man am Bes­ten im direk­ten Dia­log“, so schliesst der Bür­ger­meis­ter sei­nen von Bana­li­tä­ten durch­setz­ten Brief. Es wäre gut gewe­sen, wenn er die­sen Dia­log irgend­wann ein­mal gesucht hät­te.


Lesen Sie die kompletten öffentlichen Stellungnahmen:

22. Mai 2019

Schrei­ben des Juis­ter Bür­ger­meis­ters Tjark Goer­ges an Rei­ner Beh­rends und Hei­no Beh­ring

19. Mai 2019

Schrei­ben des Juis­ters Rei­ner Beh­rends an den Juis­ter Bür­ger­meis­ter und den Rat der Gemein­de Juist

September  2018

Öffent­li­che Stel­lung­nah­me des Juis­ters Rei­ner Beh­rends zum geplan­ten Abriss des Juis­ter Bahn­hofs

 

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