Was wird aus dem Bahnhof?

Juister BahnhofsgaststätteDer his­to­ri­sche Juis­ter Bahn­hof steht noch. Viel hat sich jedoch nicht geän­dert: Ein offe­ner Dia­log zwi­schen der Eigen­tü­me­rin, der Gemein­de und den für den Bahn­hof enga­gier­ten Men­schen hat nie statt­ge­fun­den. Man macht ein­fach. Das ist das gute Recht der Eigen­tü­me­rin. Ob es auch eine gute Ent­schei­dung ist, ist fraglich.

Wir wol­len die Ent­wick­lung des Bahn­hofs­ge­bäu­des hier wei­ter verfolgen.


Bestätigung — und Baustopp?

Mitt­ler­wei­le ist es „amt­lich“: Der Ost­frie­sen-Zei­tung gegen­über bestä­tig­te der Kreis­spre­cher, dass eine voll­stän­di­ge Bau­ge­neh­mi­gung nicht erteilt sei. Was bedeu­tet das nun im Detail?

Rai­ner Mül­ler-Gum­mels  ist der Spre­cher des Land­krei­ses Aurich. Sei­ne Äus­se­run­gen in der Ost­frie­sen-Zei­tung (OZ) sind ein­deu­tig: Eine voll­stän­di­ge Bau­ge­neh­mi­gung sei noch nicht erteilt wor­den. Denn das Bau­vor­ha­ben ent­spre­che in Teil­be­rei­chen „weder den Anfor­de­run­gen des der­zeit gel­ten­den noch des sei­tens der Gemein­de Juist neu geplan­ten Bebau­ungs­plans.“ Ob die Geneh­mi­gung nach­träg­lich erteilt wer­den kann, kön­ne man zum jet­zi­gen Zeit­punkt noch nicht sagen, so Müller-Gummels.

In einer Bild­un­ter­schrift in der OZ kann man zudem lesen: Der­zeit darf drau­ßen nicht wei­ter­ge­ar­bei­tet werden.

Artikel in der Ostfriesen-Zeitung vom 6.4.2021: Detail

Screen­shot: oz-online.de

Was ande­res kann „darf nicht wei­ter­ge­ar­bei­tet wer­den“ bedeu­ten, als einen Bau­stopp? Soll­te sich die­se Les­art bestä­ti­gen, dann wirft das ein wei­te­res Mal ein bezeich­nen­des Licht auf das Vor­ge­hen der Mäch­ti­gen auf der Insel Juist.

 


Das Übliche: Fake News

Wir kann­ten das bereits aus den Peti­ti­ons­zei­ten 2018 und 2019: In den sozia­len Medi­en tau­chen wie­der die Bahn­hofs­geg­ner auf. Waren es damals glü­hen­de Fans des Bahn­hofs­ab­ris­ses, so sprin­gen sie jetzt den zukünf­ti­gen Betrei­bern Ris­se und Bol­te zur Sei­te. Es wür­de bestimmt alles rich­tig pri­ma wer­den, so kann man lesen. Dass es sich um eine nicht geneh­mig­te Bau­stel­le han­del­te, das wird ent­we­der aus­ge­blen­det — oder man ver­sucht es mit Fake News.

Es ist erstaun­lich, mit wel­chem Selbst­be­wusst­sein jemand eine solch frei erfun­de­ne Dar­stel­lung behaup­ten kann: Die Bau­mass­nah­me sei geneh­migt, so ist da auf Face­book man lesen.

Facebook-Zitat vom 29.3.2021

Screen­shot von Facebook

Alle unse­re Infor­ma­tio­nen sind jedoch gegen­tei­lig. Nun gebie­tet es eine erwach­se­ne Dis­kus­si­ons­kul­tur, mal nach­zu­fra­gen. Die Reak­ti­on auf unse­re Nach­fra­gen ist bedenk­lich, wenn nicht kin­disch. Man könn­te, aber man woll­te nicht: 

Facebook-Zitat vom 30.3.2021

Screen­shot von Facebook

Das blau­äu­gi­ge Ver­trau­en in das Unter­neh­men Fri­sia, die als Eigen­tü­me­rin des Gelän­des für die nicht geneh­mig­ten Bau­mass­nah­men ver­ant­wort­lich sein dürf­te, ist bemer­kens­wert. Wie eng müs­sen die Ver­bin­dun­gen sein, damit man die­ses Unter­neh­men so erge­ben unterstützt?

Und was treibt jeman­den, der öffent­lich Behaup­tun­gen auf­stellt, die man­gels Wahr­heits­ge­halts nicht nach­weis­bar sein können?

Es ist wie­der ein­mal Lug und Betrug, was hier getrie­ben wird — und im Zen­trum ste­hen wie­der ein­mal die übli­chen Verdächtigen.


Da wäre ein Abriss besser gewesen!“

Eine Juis­te­rin, die nicht nament­lich genannt wer­den möch­te, fass­te es zusam­men: „Da wäre ein Abriss bes­ser gewe­sen. Der Bahn­hof wird ver­schan­delt.“ Was da seit Ende März im Aus­sen­be­reich auf dem ehe­ma­li­gen Bahn­steig gebaut wird, bricht vie­len älte­ren Juis­te­rIn­nen und vie­len Gäs­ten das Herz. Die Ver­ant­wort­li­chen gehen ohne Rück­sicht auf die his­to­ri­schen Bau­sub­stanz, Blick­ach­sen oder gar ein har­mo­ni­sches Gesamt­bild vor. 

Ende März 201: Bauarbeiten am historischen Juister Bahnhof.

Foto: Hei­no Behring

Das Bauschild fehlt

So rich­tig mit­be­kom­men hat­te es kaum jemand: Die Bau­ar­bei­ten wur­den auf der Insel kaum beach­tet. Da auch gera­de — coro­nabe­dingt — kei­ne Gäs­te auf der Insel waren, konn­te offen­bar rela­tiv unbe­merkt los­ge­legt werden.

Zum Glück gibt es aber auch wach­sa­me und cou­ra­gier­te Juis­ter, und so wur­de schnell fest­ge­stellt, dass es an der Bau­stel­le auf dem ehe­ma­li­gen Bahn­steig kein vor­ge­schrie­be­nes Bau­schild gab. Was war da los?

Gute Kontakte

Zuver­läs­si­ge Kon­tak­te brach­ten es bald ans Licht: Die­se Bau­ar­bei­ten waren weder geneh­migt noch geneh­mi­gungs­fä­hig. Es klang eigent­lich unglaub­lich, aber wel­che ande­re Erklä­rung soll­te es geben: Der Bau war illegal.

Information der Öffentlichkeit

Tat­säch­lich hat­te es am 31. August 2020 eine Bau­au­schuss­sit­zung gege­ben, in der die Plä­ne zum Umbau des ehe­ma­li­gen Bahn­steigs vor­ge­stellt wur­den. Eini­ge Jui­te­rIn­nen und Herr Erd­mann von den Juis­ter Net News (JNN) waren dabei. In einem Arti­kel in den JNN berich­te­te er über das The­ma: Erst­mals konn­te man etwas von „einer Art Win­ter­gar­ten“ erfah­ren. Was das genau bedeu­te­te, blieb aber unklar.

Eine irgend­wie dar­über hin­aus­ge­hen­de Infor­ma­ti­on mit Zeich­nun­gen gab es weder von der Eigen­tü­me­rin Fri­sia und den Päch­tern des Bahn­hofs, noch von der Gemeinde.

Zwischentöne aus dem Bauamt

Die mitt­ler­wei­le nicht auf auf Juist beschäf­tig­te Bau­amts­lei­te­rin Karo­li­ne Engel stell­te auf der Sit­zung am 31. August 2021 fest:

Hier­zu ist eine wei­te­re Bebau­ungs­plan­än­de­rung von­nö­ten. Ein sol­ches Gebäu­de auf dem ehe­ma­li­gen Bahn­steig muss zudem poli­tisch gewollt sein, weil es direkt im Ein­gangs­be­reich der Insel liegt und der Win­ter­gar­ten ein erheb­li­cher Ein­griff in das Orts­bild darstellt.

Trotz die­ses Hin­wei­ses auf den erheb­li­chen Ein­griff ins Orts­bild emp­fand es die Gemein­de nicht als not­wen­dig, die Öffent­lich­keit in geeig­ne­ter Form zu infor­mie­ren. Gerüch­te, nach denen die Bau­amts­lei­te­rin auf Juist nicht sehr gelit­ten war, weil sie ihre Arbeit gut gemacht hat­te, tauch­ten mehr­fach auf.

Zwischenfazit

Bis hier­her ist fest­zu­hal­ten, dass das nicht nur das Bau­vor­ha­ben befremd­lich, son­dern die Stim­mung auf Juist bei den Bahn­hofs­be­für­wor­tern bedrückt ist. Der Filz, der bereits zur Peti­ti­ons­pha­se mehr als durch­schim­mer­te, ist eben­so nicht gewi­chen wie die Hinterzimmerpolitik.


Wie ist der aktuelle Stand? Ein Vergleich der Bahnhofsansichten vorher — nachher

Eines muss man den ab und zu auf Face­book zu fin­den­den neue­ren Ansich­ten auf das Bahn­hofs­ge­bäu­de las­sen: Es hat — Stand heu­te — gewon­nen. Ver­gleicht man eine ein paar Jah­re alte Ansicht mit einer kürz­lich von Chris­ti­an Schä­fer bei Face­book ver­öf­fent­lich­ten Foto­gra­fie, so ist eine deut­li­che Ver­bes­se­rung zu Guns­ten des his­to­ri­schen Bahn­hofs zu erkennen.

Juister Bahnhof 2018 und 2020Fotos: Dirk Tonn, Chris­ti­an Schäfer

Der Windfang

Zum einen ist dabei die Umge­stal­tung des vor­her völ­lig unpas­sen­den Wind­fangs, also des Ein­gangs­be­reichs zu erwäh­nen. Dabei fällt natür­lich vor allem das Dach des Ein­gangs auf, das weder in sei­ner Form zum Gebäu­de passt, noch von sei­nen Aus­mas­sen her.

Auch die eher an eine Tele­fon­zel­le erin­nern­de Ver­gla­sung des Ein­gangs­be­reichs war ein kom­plet­ter Miss­griff: Die viel zu klein­tei­li­gen Fens­ter­be­rei­che des Wind­fangs pass­ten nicht zu den von den Fens­tern vor­ge­ge­be­nen, eher gross­zü­gi­gen Formen.

Die Leuchtreklame

Zudem hat­te die Leucht­re­kla­me des „Kom­pass“ eher Wer­bung im Sinn als eine ange­mes­se­ne, zum Gebäu­de pas­sen­de Beschrif­tung oder Beschil­de­rung. Der Schrift­zug war auf­dring­lich — übri­gens auch die Vorgängerversion.

Der Aussenbereich

Der lee­re Aus­sen­be­reich ist heu­te eine Augen­wei­de im Sin­ne des Gebäu­des — was sich ändern dürf­te, denn die neu­en Betrei­ber wer­den den Platz ver­mut­lich gewerb­lich nut­zen. Hof­fen wir aber, dass sie im Aus­sen­be­reich ein bes­se­res Händ­chen an den Tag legen, als man es zu Kom­pass-Zei­ten erken­nen konn­te. Da war es teils ein grell-bun­tes und schrei­end daher­kom­men­des Sam­mel­su­ri­um an aus­tausch­ba­rem Zeitgeschmack.

Wenn ich genau hin­schaue, dann erken­ne ich, dass auch die Bahn­hofs­mau­er von der häss­li­chen Ver­gla­sung befreit wur­de. Das ist ein wei­te­rer Plus­punkt — für den Moment.

Das Zwischenfazit

Erfah­rungs­ge­mäss dürf­te der Juis­ter Bahn­hof von den Ver­ant­wort­li­chen ledig­lich als Inves­ti­ti­ons­ob­jekt gese­hen wer­den. Eine ange­mes­se­ne Wür­di­gung der Geschich­te des Gebäu­des und damit ver­bun­den der Geschich­te der Insel kann nicht erwar­tet wer­den, wenn man die letz­ten zwei Jah­re als Grund­la­ge nimmt.

Die Freu­de über den Erhalt wird zwar genährt durch die jet­zi­gen Ein­drü­cke der Gestal­tung. Es steht aber zu befürch­ten, dass der bil­li­ge Kom­merz im Vor­der­gund ste­hen wird und nicht ein wür­di­gen­des Umge­hen mit dem Bau­werk und der damit ver­bun­de­nen Inselgeschichte.

 


Zwei alte Waggons der Inselbahn im Aussenbereich?

Wir freu­en uns immer wie­der über Zuschrif­ten an die Juis­ter Bahn­hofs­freun­de. Nun erreich­te uns heu­te wie­der ein­mal eine Nach­richt eines Unter­stüt­zers. Es ist klas­se zu sehen, wie sich Men­schen mit der Insel und dem Bahn­hof beschäftigen.

T. Schä­fer kommt aus Nie­der­sach­sen und ist seit über 50 Jah­ren Gast auf Juist. Er schreibt uns zur Dis­kus­si­on über die Gestal­tung des Aus­sen­be­reichs vor der Bahnhofsmauer:

Zu der Fra­ge, wie man den alten Bahn­steig auf der Süd­sei­te mit einer wind­ge­schütz­ten Anla­ge gas­tro­no­misch nut­zen kann, habe ich eine eige­ne Idee:

Man könn­te dort zwei alte Wagen der Juis­ter Insel­bahn, sofern noch vor­han­den, auf­stel­len und als Gast­raum für das Restau­rant ein­rich­ten. Das wür­de an die frü­he­re Funk­ti­on des Bahn­hofs erin­nern und sehr gut in das Orts­bild passen.

Das ist ein sehr nach­voll­zieh­ba­rer Gedan­ke, der nicht nur die alte Funk­ti­on des Gebäu­des beto­nen wür­de, son­dern sicher auch eine Attrak­ti­on für Gäs­te wäre.

Spin­nen wir die Idee mal wei­ter: Zwei Wag­gons — einer für das eher kür­ze­re Ver­wei­len, das schnel­le Getränk mit den Ori­gi­nal­bän­ken (und ein paar Kis­sen für die emp­find­li­chen Hin­tern), der ande­re mit einer kom­for­ta­blen, beque­men Aus­stat­tung für ein län­ge­res Essen.

Aber das ist alles nur geträumt …


Aus dem alten „Kompass“ soll das „Carl STEAKmann“ werden

Es war bereits län­ger bekannt, dass im Bahn­hofs­ge­bäu­de wie­der eine Gast­stät­te betrie­ben wer­den wür­de. In einem Arti­kel auf juistnews.de wer­den Details beschrieben.

Mit dem Bahn­hofs­ge­bäu­de hat man einen beson­de­ren Ort zur Ver­fü­gung, der in die ein­zig­ar­ti­ge Geschich­te der Juis­ter Insel­bahn ein­ge­bun­den ist. Es gab von vie­len den Wunsch, die zukünf­ti­ge Gas­tro­no­mie wie­der „Bahn­hofs­gast­stät­te“ zu nen­nen. Die­se Idee wur­de nicht berücksichtigt.

Statt des­sen bevor­zugt man ein eher fla­ches Wort­spiel mit dem Namen des ehe­ma­li­gen Vor­sit­zen­den der Ree­de­rei Nor­den-Fri­sia. Die Tra­di­ti­on des Bahn­hofs inter­es­sier­te offen­bar nicht. Nun, es bleibt immer noch zu hof­fen, dass zumin­dest das Inte­ri­eur der Gast­stät­te wenigs­tens ein paar Hin­wei­se auf die Ver­gan­gen­heit des Gebäu­des auf­wei­sen wird.

zum Arti­kel


Oldenburgische Landesbank schliesst Filiale im Bahnhof


Wie einem Arti­kel auf juistnews.de zu ent­neh­men ist, schliesst die Olden­bur­gi­sche Lan­des­bank ihre Filia­le auf Juist.

Für den his­to­ri­schen Bahn­hof bedeu­tet das eine Chan­ce, denn der völ­lig ver­un­stal­te­te ehe­ma­li­ge Ein­gangs­be­reich könn­te nun pro­blem­los zurück­ge­baut werden.

zum Arti­kel

Das war die Petition

2.268 Unter­zeich­ne­rIn­nen aus der gan­zen Repu­blik und dem Ausland:

zur Petition bei openPetition

Die Blog-Artikel