Füsse stillhalten

12. Mai 2021 // Ges­tern erreich­te uns über unse­re Umfra­ge­sei­te ein Kom­men­tar, der bemer­kens­wert ist und ein bezeich­nen­des Licht auf die Wahr­neh­mung man­cher Men­schen wirft. Er stammt von Herrn G. aus H., der uns alle auf­for­dert, mal Luft zu holen und die Füße still­zu­hal­ten. OK, das habe ich gemacht. Dan­ke für den Tipp, Herr G. — es war ein schö­ner Moment der Ent­span­nung und Ruhe. Damit war aber die Luft raus, denn Ihre dann fol­gen­de Lobes­hym­ne auf den Juis­ter Gas­tro­no­men Axel Rip­pe glich einer Luftnummer.

Ich ken­ne Herrn Rip­pe nicht, aber der Unter­neh­mer hat wohl für man­che so etwas wie einen Hel­den­sta­tus. Alle sei­ner Pro­jek­te sei­en durch­weg gelun­gen, so argu­men­tiert Herr G., und fragt: „Wer möch­te denn heu­te auf die Hohe Düne, das lütt­je Tee­hus oder auch das Bau­manns wirk­lich verzichten?“

Nichts geht ohne Rippe?

Ob sich Herr G. vor­stel­len kann, dass das Lüt­je Tee­huus auch ohne den Juis­ter Star­gas­tro­no­men viel­leicht ganz schön wäre? Das ehe­ma­li­ge Ate­lier Café in bes­ter Lage am Kur­platz wur­de nur dank Herrn Rip­pe zu einem respek­ta­blen Restau­rant? Und die Hohe Düne? Ich habe mich immer gefragt, wel­che Bezie­hun­gen man haben muss, um dort oben in den Dünen eine Bau­ge­neh­mi­gung zu bekom­men. Mög­li­cher­wei­se schafft so etwas tat­säch­lich nur ein Herr Rippe.

Juister Gastronomie: Rippe überall

Sind Vorschusslorbeeren ausreichend?

Aber gehen wir doch ein­fach mal davon aus, dass die drei Betrie­be gelun­gen sind (auch wenn das wahr­lich nicht alle so emp­fin­den, aber das ist hier nicht das The­ma) — rei­chen denn mög­li­che Vor­schuss­lor­bee­ren aus die­sen Pro­jek­ten aus, wenn es um die Beur­tei­lung der Bau­mass­nah­men am alten Bahn­hof geht?

Wir alle wis­sen: Beim Bahn­hofs­um­bau ging etwas nicht mit rech­ten Din­gen zu. Man hat ein­fach mal ange­fan­gen, Tat­sa­chen zu schaf­fen. Wel­che genau, dass wuss­ten nur Ein­ge­weih­te: Es gibt einen mit Absicht nicht voll­stän­dig offen­ge­leg­ten Plan für den Umbau des Aus­sen­be­reichs am his­to­ri­schen Bahn­hof. Alles, was Herrn G. dazu ein­fällt ist ein sinn­ge­mäs­ses: „Wird schon gut werden“?

Die­se Ein­schät­zung ist blau­äu­gig. Natür­lich rei­chen Rip­pes Vor­schuss­lor­bee­ren nicht! Im Gegen­teil: Das dubio­se Vor­ge­hen um den Bahn­hof macht miss­trau­isch, ob nicht bei den ande­ren Betrie­ben eben­falls gemau­schelt wur­de. Wenn nicht mehr für den Gas­tro­no­men spricht, als dass er bereits an ande­rer Stel­le etwas auf die Bei­ne gestellt hat, dann ist das eine extrem dün­ne Habenseite.

Gleichgültigkeit!

Allei­ne der Anblick der auf­ge­schnit­te­nen his­to­ri­schen Mau­er beweist, dass hier mit einer Press­luft­ham­mer­me­tho­de vor­ge­gan­gen wird, die Geschäfts­in­ter­es­sen in den Vor­der­grund stellt, nicht aber einen behut­sa­men und ver­ständ­nis­vol­len Umgang mit alter Bau­sub­stanz an expo­nier­ter Stel­le. Rip­pe & Co. bewei­sen mit ihrem Vor­ge­hen, dass Ihnen das his­to­ri­sche Erbe der Insel voll­kom­men gleich­gül­tig ist. Die Mei­nun­gen der Bahn­hofs­freun­dIn­nen sind es ihnen sowieso.

Gleich­gül­tig­keit herrscht bei den Bau­her­ren aber offen­bar auch gegen­über den gesetz­li­chen Regu­la­ri­en. Die bis­he­ri­gen offi­zi­el­len Aus­sa­gen aus Aurich sind ein­deu­tig: Die­se Mau­er hät­te so nicht gebaut wer­den dür­fen. Man hat sich über das Bau­recht hin­weg­ge­setzt — und eini­ge, wie Herr G., igno­rie­ren das ein­fach, weil Herr Rip­pe ja an ande­rer Stel­le als „Bau­herr immer Gespür für die jewei­li­gen Objek­te und Geschmack bei deren Umset­zung bewie­sen“ habe.

Selbst wenn es so wäre — ste­hen die Bau­her­ren des­halb über dem Gesetz? Das ist die Fra­ge, die gestellt wer­den muss.

Alles wird gut?

Anstatt aber die­se zwin­gen­de Fra­ge anzu­ge­hen, freu­en sich man­che Bahn­hofs­geg­ne­rIn­nen auf das Bier, das im neu­en Restau­rant aus­ge­schenkt wer­den wird. Alles gut! Mit die­ser Logik kön­nen wir dann auch die Mau­sche­lei­en der Tand­lers, Nüss­leins & Co. in der Mas­ken­af­fä­re igno­rie­ren, weil die­se Leu­te ja bestimmt an ande­rer Stel­le viel­leicht gute Arbeit geleis­tet haben (hof­fen wir’s mal).

Aber selbst Herr G. stellt in sei­nem Kom­men­tar fest, dass die Mau­er der­zeit „schreck­lich“ aus­sieht — hofft aber, dass am Bahn­hof trotz­dem ein Juis­ter High­light ent­ste­hen wird. Ja, das wird sicher ein High­light, aber in ande­rem Sin­ne: Es ist bereits jetzt ein Höhe­punkt man­geln­den Rechts­be­wusst­seins und unglaub­li­cher Respektlosigkeit.

Um das fest­zu­stel­len, muss man nicht tief Luft holen. Und die Füs­se hal­ten nur die still, die Kom­pli­zen im Geis­te sind.

Juist am Strand

Die Umbaumassnahmen

Screenshot von Facebook

Schiff­s­con­tai­ner auf dem Bahn­hofs­platz (Screen­shot von Facebook)

Artikel in den Juister Net News vom 7.4.2021

Arti­kel in den Juis­ter Net News vom 7. April 2021

Artikel in der Ostfriesen-Zeitung vom 6.4.2021

Arti­kel in der OZ vom 6. April 2021

Ende März 201: Bauarbeiten am historischen Juister Bahnhof.

Ansicht vom 25. März 2021


Das war die Petition

2.268 Unter­zeich­ne­rIn­nen aus der gan­zen Repu­blik und dem Ausland:

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