Deichkind

Ein Steinwurf weit vom Elternhaus
mein Deich
Zufluchtsort – mein Kinderhort
zugleich

dort träumte ich gedankenlos…
Sonne warm verwöhnte mich
Hoch oben Wolken klein und groß
drin war’n Gestalten fürchterlich

Und unten an des Deiches Fuß
Schienen von der Inselbahn
Ich hob die Hände zu nem Gruss
Wenn sie mit den Gästen kam

Links von mir der Bahnhof
Stimmengewirr zum Abschied tönte
Bald fuhr dann das Bähnchen los
Oh – wie ich mich dran gewöhnte

Auf dem Deich Vermieter winkten,
mit Bettlaken so groß und weiss
Wattenmeer – die Wellen blinkten
und die Sonne schien so heiss

der Blick folgte der Inselbahn
mit ihren gelben Wagen
ruckzuck ruckzuck
bald bog sie ab um übers Watt zu fahrn
trug sie das Wasser – möcht man fragen.

Am Anleger das weisse Schiff
Es glitt an meinem Blick vorbei
Tschüss – kommt wieder ich dann rief
Alles war so herrlich frei.

Ein Steinwurf weit vom weit vom Elternhaus
Steht noch mein alter Deich
Kein Bähnchen fährt zum Anleger raus
Kein Wasser plätschert leis und weich

Wattenmeer weit zurück gedrängt
Vor mir ein zweiter Wall
fühle mich so eingeengt
vorbei wie Rauch und Schall

ist die Romantik alter Zeit
der Charme vom spröden Juist
ich schliess die Augen
seh die Kinderzeit
während mich die Sonne küsst!


Alle Geschichten

in der Reihenfolge des Erscheinens [break]

Brückenkopf [break] von Christian Schaefer

[break]

Bahnfahrt übers MeerAls Jan den Juister Bahnhof in sein Herz schloss [break] von Frank Jermann

[break]

Deichkind [break] von Marieluise Stolper

[break]

Ankunft auf JuistKindheitserinnerungen [break] von Christiane Büscher

[break]

Abschied von JuistEin Wattflieder-Strauß geht auf die Reise [break] von Dirk Tonn

[break]

Über das Gedicht

Autorin: Marieluise Stolper
aus ihrem Buch „Juist-Schatzkiste“


 

Bild zum Gedicht